Alentejo Rundreise: 5 Tage durch Portugals Weinland
Der Alentejo ist die am wenigsten besuchte Region Portugals, die die meisten Reisenden bereuen, ausgelassen zu haben. Ein Drittel des Landes und doch nur ein Bruchteil der Touristenströme: weitläufige Korkeichenplantagen, mittelalterliche Wehrdörfer, römische Ruinen und Weingüter, die einige der besten Rotweine des Landes produzieren. Diese fünftägige Route verbindet die Hauptattraktionen zu einem sinnvollen Rundreis. Ein Auto ist zwingend erforderlich – der öffentliche Nahverkehr existiert zwischen den meisten Dörfern kaum.
Vorbereitung und Auto mieten
Wir empfehlen, das Auto in Évora oder in Lissabon abzuholen und direkt in den Alentejo zu fahren (ca. 130 km, 1h30). Mietwagen ab ca. €25–35/Tag plus Maut. Mietwagen buchen: Mietwagen Portugal.
Wichtiger Hinweis für den Sommer: Im Juli und August erreicht der Alentejo regelmäßig 38–42°C. Alle Aktivitäten im Freien sollten vor 11:00 Uhr oder nach 17:00 Uhr stattfinden. Wasservorrat im Auto immer auffüllen.
Tag 1: Évora – Römerstadt im Herzen des Alentejo
Évora ist die logische Basis für die ersten ein bis zwei Nächte. Die Altstadt innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer ist kompakt und zu Fuß gut zu erkunden.
Römertempel (Templo de Diana): Direkt im Stadtzentrum, 14 Korinthische Säulen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., kostenlos von außen zugänglich. Der Tempel ist eines der am besten erhaltenen römischen Bauwerke der Iberischen Halbinsel.
Sé Kathedrale (€4): Romanisch-gotische Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert. Der Kreuzgang ist einer der schönsten in Portugal, das Dachterrassenrundgang bietet Blick über die Dächer der Altstadt.
Knochenkapelle (€5): Die Capela dos Ossos im Kloster São Francisco ist nichts für schwache Nerven: Wände und Pfeiler ausgekleidet mit den Gebeinen von etwa 5.000 Mönchen, mit der Inschrift „Nós ossos que aqui estamos, pelos vossos esperamos” – „Wir Knochen, die hier sind, warten auf eure.” Gebaut im 16. Jahrhundert als Memento Mori. Heutzutage eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Region.
Abendessen: Restaurante Fialho, Travessa das Mascarenhas 16, ist seit 1945 das Stammlokal für Alentejo-Küche. Carne de porco à alentejana (Schweinefleisch mit Venusmuscheln), Sopa de cação (Hundshaifischsuppe) und Ensopado de Borrego (Lammgulasch). Hauptgang ca. €18–25.
Tag 2: Megalithen und Weinprobe
Almendres Megalithenanlage (kostenlos): 15 km westlich von Évora, eine der größten und bedeutendsten Megalithanlagen der Iberischen Halbinsel – älter als Stonehenge. Etwa 95 Menhire in ovaler Anordnung, aus dem 6. bis 4. Jahrtausend v. Chr. Die Zufahrtsstraße ist unbefestigt (ca. 3 km); ein normales Auto kommt durch, aber langsam fahren.
Quinta do Esporão (Vorbuchen empfohlen): Das Weingut Esporão in Reguengos de Monsaraz, ca. 45 km von Évora, ist eines der bekanntesten des Alentejo. Besichtigung mit Weinprobe: ca. €15–25 pro Person. Reservierung online nötig, mindestens eine Woche im Voraus. Die Weingärten, der Weinkeller und die Besucherführung dauern ca. 1h30.
Monsaraz: Auf dem Rückweg nach Évora lohnt sich ein Abstecher nach Monsaraz (ca. 50 km). Das mittelalterliche Dorf sitzt auf einem Felsplateau mit Blick über den Alqueva-Stausee – den größten künstlichen See Westeuropas. Die weiß getünchten Gassen, die Burgruine und die Stille machen Monsaraz zu einem der eindrucksvollsten Dörfer Portugals. Zwei bis drei Stunden reichen.
Tag 3: Mértola – das islamische Erbe Portugals
Mértola (ca. 130 km südlich von Évora, 1h40) ist einzigartig in Portugal: Die Stadt war im Mittelalter über 500 Jahre muslimisch und hat diese Geschichte wie keine andere bewahrt. Die Pfarrkirche ist das einzige erhaltene Moschee-Gebäude Portugals (ursprüngliche Mihrab-Nische noch erkennbar, Eintritt ca. €2,50).
Das Stadtmuseum (Museu de Mértola) besteht aus mehreren Standorten in der Altstadt und zeigt islamische, römische und frühmittelalterliche Funde. Gesamteintritt ca. €3. Die Burganlage auf dem Hügel über der Guadiana-Mündung gibt es kostenlos zu besichtigen.
Mértola eignet sich gut für einen halben Tag oder eine Übernachtung. Der Fluss Guadiana, der hier in einem spektakulären Bogen an der alten Stadtmauer entlangfließt, macht die Lage besonders attraktiv.
Tag 4: Beja und die Südalentejo-Ebene
Beja (ca. 60 km nördlich von Mértola) ist die größte Stadt des Baixo Alentejo und weniger besucht als Évora. Das Convento da Conceição beherbergt heute das Regionalmuseum (ca. €2) mit einer bedeutenden Sammlung arabischer Azulejos und gotischer Skulpturen.
Der Praça da República ist der lebendige Mittelpunkt der Stadt, mit Cafés unter Orangenbäumen. Die Castelo-Ruinen (Eintritt Turm €1,50) bieten Blick über die flache Ebene, die sich bis zum Horizont erstreckt – eine Landschaft, die man im Norden Portugals nie findet.
Nachmittags: Fahrt nach Serpa (ca. 30 km östlich), eines der besterhaltenen mittelalterlichen Dörfer des Alentejo, mit seiner intakten Stadtmauer und dem Aquädukt.
Tag 5: Marvão – Granitdorf auf 863 m
Marvão (ca. 150 km nördlich von Beja, 1h45) ist der Abschluss dieser Rundreise. Das Dorf liegt auf einem Granitkamm auf 863 m und bietet Blick weit nach Spanien. Die Festung aus dem 13. Jahrhundert (€1,50) ist vollständig erhalten, und von der Zinne überblickt man die Serra de São Mamede und die Grenzregion.
Das Dorf selbst hat kaum 200 Einwohner, eine Handvoll Restaurants und eine kleine Kirche. Marvão ist kein Touristenort, sondern ein bewohntes Dorf, das zufällig eine der spektakulärsten Lagen Portugals hat.
Rückkehr: von Marvão nach Lissabon ca. 200 km (2h), nach Porto ca. 350 km (3h30).
Praktisches zur Route
Straßen: Die meisten Strecken verlaufen auf guten Nationalstraßen (N-Straßen). Die A6 Autobahn Lissabon–Badajoz durchquert den nördlichen Alentejo und ist mautpflichtig.
Benzin: In kleinen Dörfern gibt es selten Tankstellen – immer in Évora oder Beja auffüllen. Keine Lücken riskieren, die Entfernungen zwischen Ortschaften sind groß.
Unterkunft: Évora hat gutes Hotelangebot (ca. €60–120/Nacht für Doppelzimmer). Monsaraz, Mértola und Marvão haben jeweils kleine Pensões (€40–70) oder Casas de Campo (Ferienhäuser, oft schöner und günstiger als Hotels).
Reiseversicherung für den Mietwagen: Reiseversicherung. Touren ab Lissabon oder Évora: Touren Portugal.
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