Mittelalterliche Gassen und Granitfassaden in der Altstadt von Guimarães

Guimarães Reiseführer: Geburtsort Portugals

Guimarães liegt 55 km nordöstlich von Porto und gilt als Geburtsort Portugals — hier wurde Afonso Henriques, der erste König Portugals, vermutlich um 1110 geboren, und hier schlug er 1128 die erste entscheidende Schlacht auf dem Weg zur Unabhängigkeit. Die Stadt ist mit rund 55.000 Einwohnern überschaubar, ihr mittelalterlicher Kern ist zu Fuß erkundbar und seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe. Der Tagesausflug von Porto gehört zu den lohnendsten der gesamten Region.

Burg Guimarães

Die Burg thront auf einem Granitfelsen am nördlichen Rand der Altstadt und ist das Symbol der Stadt. Der quadratische Bergfried und die acht Türme sind gut erhalten und vermitteln einen klaren Eindruck mittelalterlicher Wehrbaukunst des 10. bis 12. Jahrhunderts. Der Eintritt ist kostenlos. Wer früh kommt — vor 10 Uhr — hat die Anlage weitgehend für sich allein, auch in der Hochsaison. Die Aussicht über die Dächer der Altstadt und in die umliegenden Hügel des Minho rechtfertigt allein schon den Aufstieg.

Direkt unterhalb der Burg steht die kleine romanische Kapelle São Miguel do Castelo, wo Afonso Henriques der Überlieferung nach getauft wurde. Die Kapelle ist unscheinbar, historisch aber bedeutsam.

Paço dos Duques de Bragança

Der Palast der Herzöge von Bragança liegt wenige Gehminuten von der Burg entfernt und wurde im frühen 15. Jahrhundert als Residenz des ersten Herzogs von Bragança errichtet. Nach Jahrhunderten des Verfalls ließ Diktator Salazar ihn in den 1930er Jahren restaurieren — umstritten, weil der Wiederaufbau weniger historische Rekonstruktion als Neuinterpretation war. Heute ist der Palast ein staatliches Museum mit Sammlungen flämischer Tapisserien, mittelalterlicher Rüstungen, Möbeln und Porzellan.

Eintritt: 5 €. Geöffnet täglich. Die Innenräume sind stimmungsvoll, auch wenn die Restaurierung des 20. Jahrhunderts stellenweise spürbar ist.

Die Altstadt

Das UNESCO-geschützte Stadtzentrum gliedert sich in zwei Hauptachsen: die Rua de Santa Maria, eine der ältesten Straßen der Stadt mit Klöstern und Herrenhäusern, und die Oliveira-Zone rund um den Largo da Oliveira. Auf diesem Platz befindet sich das Mosteiro de Nossa Senhora da Oliveira, ein romanisch-gotisches Kloster mit einem frei stehenden gotischen Baldachin auf dem Platz vor dem Eingang — eines der ungewöhnlichsten mittelalterlichen Stadtbilder Portugals.

Die Häuser in der Altstadt sind mehrheitlich aus Granit gebaut, die Obergeschosse teils auf Arkaden gestützt. Keine Straßenbahn, keine Tourbusse in den Gassen — das Zentrum ist vollständig für Fußgänger.

Museu Alberto Sampaio

Das Alberto-Sampaio-Museum belegt die Klostergebäude der Stiftskirche Nossa Senhora da Oliveira und zeigt Kunst und Schätze, die mit der mittelalterlichen Geschichte der Stadt und der Reconquista verbunden sind. Herzstück ist das goldene Messgewand, das Afonso I. nach der siegreichen Schlacht von Aljubarrota 1385 in die Kirche gestiftet haben soll. Eintritt: 4 €. Für die Größe der Sammlung ist das Museum sehr gut kuratiert.

Penha

Über der Stadt erhebt sich der Hügel Penha mit einem Wallfahrtsheiligtum, Felsformationen und Panoramablick. Mit der Seilbahn (Teleférico de Guimarães) ist der Gipfel in wenigen Minuten erreichbar — Eintritt ca. 6 € einfach, 9 € Rückfahrt. Alternativ führen Wanderwege hinauf. Oben gibt es einen kleinen Park mit Grillplätzen, der von Einheimischen an Wochenenden stark genutzt wird. Die Sicht über das Minho-Tal bei klarem Wetter reicht bis in die spanische Provinz Galicien.

Anreise

Von Porto Campanhã oder São Bento gibt es direkten Zuganschluss nach Guimarães. Fahrzeit: ca. 1 Stunde. Preis: 3–4 € pro Strecke, abhängig von Abfahrtszeit und Zugtyp. Züge fahren mehrmals stündlich. Wer mit dem Auto reist, findet am Stadtrand kostenlose oder günstige Parkplätze; ins Zentrum ist es von dort zu Fuß in 10–15 Minuten.

Von Braga aus ist Guimarães ebenfalls erreichbar — eine direkte Bahnverbindung braucht ca. 45 Minuten.

Essen und Trinken

Guimarães ist bekannt für das Gericht Vitela à Moda de Lafões — zartes Kalbfleisch, das in der Minho-Region seit Jahrhunderten gezüchtet wird. In den Restaurants rund um den Largo do Toural und im Largo da Oliveira gibt es gute Mittagsmenüs für 9–13 €. Wer Wert auf Lokales legt: Taverna do Lima in der Rua do Gato hat eine treue Stammkundschaft aus der Stadt selbst.

Zum Abschluss: ein Pastel de Guimarães in einer der Bäckereien im Zentrum. Das Gebäck ähnelt einem Törtchen aus Marzipan und Pudding und ist lokale Spezialität.

Beste Reisezeit

Guimarães ist das ganze Jahr über besuchbar. Die Festas Gualterianas Anfang August sind das bedeutendste Stadtfest — mittelalterlicher Umzug, Konzerte und ein Cortejo Histórico, der die Geschichte der Stadt inszeniert. Das Fest zieht viele Besucher an, aber die Stadt ist groß genug, um nicht überwältigt zu wirken. April bis Juni und September bis Oktober bieten angenehme Temperaturen für lange Spaziergänge in der Altstadt.

Übernachtung

Als Tagesausflug ist Guimarães aus Porto problemlos zu bewältigen. Wer bleibt, findet eine gute Auswahl an Boutique-Hotels in renovierten Stadtpalais. Das Hotel de Guimarães am Rand des UNESCO-Zentrums ist die etablierteste Adresse der Stadt; Pensionen im historischen Kern kosten ab ca. 50–70 € pro Nacht für ein Doppelzimmer.

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